VEREINSBERATUNG VFR MANNHEIM

AUSGANGSSITUATION

Der VfR Mannheim ist Tradition. Ein Sportverein mit rund 730 Mitgliedern, der 1949 Deutscher Fußballmeister wurde! Als erster Verein streckte er die neu eingeführte Meisterschale des DFB in die Luft.
Die Jugend aus der Stadt der Quadrate bespielt von der U19 Verbandsliga bis zur F-Jugend Kreisklasse so ziemlich alle Ligen. Mit vielen Jahrgängen doppelt -meist sogar dreifach- besetzt, verfügt der VfR über zahlreiche aktive Kicker.
Mit dem Bau zwei neuer Kunstrasenplätze sind die Trainingsmöglichkeit im Sommer 2017 nochmal weiterentwickelt worden.
Der Verein möchte sich im Fußball-Stadtbild etablieren. Und zwar als zweiter großer Name neben dem Waldhof Mannheim. Wir helfen ihnen mit unserer Vereinsberatung dabei!

DAS ZIEL

Um eine attraktive Jugendabteilung hervor zu zaubern, benötigt es “Manpower”. Von der Verwaltung, über die Platzpflege bis hin zum Training. Nur die tatkräftige Unterstützung von vielen Helfern macht einen Fortschritt möglich.

Die Jugendleiter Position wurde neu besetzt und das Team ums Teams in der Leitung wurde erweitert. Zusätzlich konnten neue Trainer für die Saison 2017/2018 gewonnen werden. Somit stand die weitere Ausbildung der Trainer auf der Agenda. Durch die zahlreichen Jungs und auch Mädchen im Grundlagenbereich (Bambini bis zur D-Jugend), fokussierte man sich sowohl auf Vereinsseite, als auch auf der von Advance.Football im Rahmen der Vereinsberatung, auf diese Altersbereiche.

Trainer wollen Lernen. Viele haben den natürlichen Drang, sich zu entwickeln. Den Kindern zu Liebe. Und um sich selbst aus der Unsicherheit zu bewegen. Viele Fragen beschäftigen die ehrenamtlichen Coaches jeden Tag. Ziel ist, diese Unsicherheiten auszumerzen. Den Trainern klare Leitlinien aufzuzeigen, die ihnen in ihrer täglichen Arbeit helfen.

Diese Leitplanken halten die Übungsleiter zwischen den Do´s und Dont´s für Kinder- und Jugendfußball. Manche davon sind klar und verständlich. Bei anderen muss man sich nur ab zu selbst erinnern. Und dann gibt es noch eine dritte Kategorie: Neues.

Sowohl die Wissenschaft als auch die Trainingspraxis entwickeln sich jeden Tag weiter. Es ist schwierig, da Schritt zu halten. Vor allem, wenn man die restlichen Stunden des Tages “fußballfremde” Arbeiten zu erledigen hat. Und so ist das nun mal bei mehr als 95% der deutschen Jugendtrainer.

Wir helfen. Wir sind da bei Fragen. Wir entwickeln eine Richtung für die Jugendausbildung beim VfR Mannheim – gemeinsam mit allen Verantwortlichen.

DIE LÖSUNG

Wie macht man Trainer besser? Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Viele davon nicht sehr “griffig”. Wir haben eine funktionierende Lösung hierfür: Die Trainer eng an die Hand nehmen.

Das schaffen nicht viele Institutionen. Vor allem nicht die, die ihr Geld im Erwachsenenfußball verdienen. Leider sind das die meisten, die qualifiziertes Personal für ein solches Unterfangen in ihren Reihen haben. Doch nicht bei uns!

Der sensible Grundlagenbereich mit den jüngsten Kickern im Verein stellt viele vor Herausforderungen. Die Anforderungen an ein gutes Training sind weit weg von denen im Großfeldbereich.

Bedeutet: Trainern so praxisnah wie möglich die komplexen Inhalte vermitteln. Über einen längeren Zeitraum hinweg und regelmäßig. Das war das Anliegen des Vereins. Wir haben es zu unserem gemacht. Fortbildungen, Workshops und Demotrainings – ab geht die Post!

 

MASSNAHME – FORTBILDUNG 1

Vor jeder Durchführung einer Fortbildung oder eines Workshops tauschen wir uns mit den Verantwortlichen aus. Und zwar sehr intensiv. So lernen wir zu verstehen, was die genaue Zielsetzung einer jeden Veranstaltung ist. Jede Einheit/Vortrag ist somit auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten. Wir nehmen uns die Zeit. Schublade auf, Vortrag halten? Gibt´s nicht. Welches Thema gewählt wird, entscheidet der Verein. Fällt ihm nichts ein, hagelt es Vorschläge. Oft genug gibt es akute Problemstellungen, die durch einen Vorfall, eine Diskussion oder ein Spiel/Turnier entstanden sind. Falls dies der Fall ist, wird dieses Thema gelöst.

Unsere erste Fortbildung erfolgte freitags. Ein passender Tag, da zum Arbeitsaus- und Wochenendeinklang eine hohe Bereitschaft zur Teilnahme an “freiwilligen” Maßnahmen besteht. Das hat sich auch hier bestätigt. Zahlreiche Hände wurde geschüttelt, viele Fragen konnten beantwortet werden.

Das Thema “Eins-gegen-Eins” legt hierbei häufig blinde Flecken auf Trainerseite offen. Die vermeintlich einfachste Situation im Fußball (zumindest was die Anzahl der beteiligten Spieler betrifft) hat zahlreiche Coachingpunkte. Mit welchem Fuß wird gedribbelt? Fintieren oder nicht? Wann erfolgt der Tempowechsel? Gegner andribbeln oder in Bewegung bringen? Wie ist die Verteidiger-Position? Stehe ich auf dem ganzen Fuß oder den Fußballen? Man merkt: viele dieser Fragen sind nicht Bestandteil von üblichen Diskussionen. Doch das Eins-gegen-Eins stellt die Basis des Fußballs dar. “Ein Eins-gegen-Eins zu gewinnen, ist die schnellste Möglichkeit eine Überzahl zu erzeugen” behauptet Dominik Drobisch, Leiter der Akademie von TSG 1899 Hoffenheim.

Wir teilen diese Auffassung. Kinder sollten so früh wie möglich die nötigen Skills lernen, um erfolgreich den Gegner überwinden zu können.

Unsere Prämisse für die Vermittlung: immer erst offensiv, dann defensiv. Warum? Die technische Anforderung gepaart mit der zu vollbringenden Wahrnehmungsleistung für den “Stürmer” sind deutlich anspruchsvoller, als für den Verteidiger. Einen guten Indikator für den Zeitpunkt, wann die Verteidiger zu coachen sind gibt es auch. Gewinnen die Offensiven deutlich mehr als 50% ihrer Aktionen heißt es: Organisationsform anpassen oder eben Verteidiger coachen.

All diese Hinweise und Überlegungen wurden den Trainern mit Hilfe der freundlichen Unterstützung der Mannheimer F-Jugend nahe gebracht. So konnte man der “meine Kinder sind nicht so weit/ganz anders”-Floskel effektiv aus dem Weg gehen. Tatsächlich befinden sich die einzelnen Mannschaften auch im Bereich der Individualtaktik auf verschiedenen Entwicklungsstufen. Diese gilt es zu beachten. Zum Glück können die VfR Mannheim Trainer nun mit Fug und Recht behaupten, dass sie viele Coachingpunkte drauf haben. Übungen zum Etablieren in den eigenen Trainingsablauf gab es sozusagen noch als Bonus.

 

MASSNAHME – FORTBILDUNG 2

Die zweite Veranstaltung mit den Kinder- und Jugendtrainern des VfR Mannheims hatte einen anderen Schwerpunkt: “Effektives Taktiktraining im Kinder- und Jugendfußball”. Nach Absprache mit der Jugendleitung öffnete man diese Veranstaltung für weitere interessierte Jugendtrainer aus Mannheim und dem Umland.

So versammelten sich rund 15 Trainer inklusive dem ein oder anderen Elternteil. Als Demogruppe fungierte eine gemischte F- und E-Jugend des Vereins, die äußerst motiviert die Inhalte umsetzte. Exemplarisch wurde durch die unterschiedlichen Altersstufen geführt und dabei auf die wichtigsten Merkmale der Kinder eingegangen – und wie diese am sinnvollsten zu nutzen sind. Die klassische “der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler”-Metapher durfte natürlich nicht fehlen.

Wir orientieren uns beim vermitteln der Inhalte immer an unserer umfangreichen Ausbildungskonzeption. Diese ist an zwei Konzepte angelehnt: zum einen an das kanadische “Long Term Athlete Development” und an das “Teaching Games for Understanding”. Dabei steht immer der langfristige Leistungsaufbau im Vordergrund, sowie den daraus abzuleitenden Trainingsschwerpunkten für die unterschiedlichen Altersstufen. Somit sind kurzfristige, ergebnisorientierte Maßnahmen nie auf der Agenda bei unseren Fortbildungen bzw. Workshops.

Wie auch bei den anderen Fortbildungen unserer Reihe “Effektives Taktiktraining im Kinder- und Jugendfußball” führten wir exemplarisch durch die verschiedenen Anforderungen der Altersstufen.

Bambini:

In unserem zur Fortbildung ausgegebenen Booklet finden sich exemplarisch für die verschiedenen Jugenden eine Spiel- oder Übungsform, Top 3 Coachingpunkte zu dieser Form, sowie die drei wichtigsten Entwicklungsmerkmale, organisatorischen und kommunikativen Stellschrauben.

Bei den Bambinis besteht diese Doppelseite aus der Form “Minifußball”:

SPIELFORM
  • Mannschaftsstärken variieren

  • Verschiedene Bälle

  • Zum Dribbling motivieren

ORGANISATORISCHE STELLSCHRAUBEN
  • Kleine Felder für viele Aktionen

  • Klarer und einfacher Aufbau

  • Ausschließlich Spielformen -> Keine Übungen!

ENTWICKLUNGSMERKMALE
  • Kurze Aufmerksamkeitsspanne

  • Hoher Grad an Verspieltheit

  • Starker Bewegungsdrang

KOMMUNIKATIVE STELLSCHRAUBEN
  • Viel Loben

  • Einfach und direkt

  • Motivierend und in Bildern oder Geschichten sprechen

Die bei der Fortbildung durchgeführte Spielform war allerdings ein “Chaosball-Spiel”, mit 4 Parteien und zwei Spielrichtungen bei gleicher Spielfläche. Die gezeigten Formen sollten sich nicht mit denen aus dem Booklet doppeln, da so gewährleistet werden konnte, dass die anwesenden Coaches doppelt so viele Trainingsformen mitnehmen können.

Bei der F-Jugend ist die im Booklet gezeigte Form folgende:

SPIELFORM
  • Tempo in den Aktionen einfordern

  • Mitdenken und schnelles Einpassen loben

  • Torabschlüsse forcieren

ORGANISATORISCHE STELLSCHRAUBEN
  • Kleine Felder für viele Aktionen

  • Klarer und einfacher Aufbau

  • Viele Spiele (80%), wenig Übungen (20%)

ENTWICKLUNGSMERKMALE
  • Kurze Aufmerksamkeitsspanne

  • Hoher Grad an Verspieltheit

  • Starker Bewegungsdrang

KOMMUNIKATIVE STELLSCHRAUBEN
  • Viel Loben

  • Einfach und direkt

  • Motivierend und in Bildern oder Geschichten sprechen

Es wird deutlich, dass die Unterscheidung zwischen den Merkmalen der Kinder im Bambini und im F-Jugend Alter nicht sehr trennscharf ist. Kann sie auch nicht. Die Kinder durchlaufen zwar eine Entwicklung, höchste Relevanz hat dies jedoch nicht für die beiden Altersbereiche. Es lässt sich festhalten, dass ein Training welches Bambini-Kids Spaß bereitet, auch die F-Jugendlichen abholt.

Eine leichte Verschiebung hin zu Übungsformen kann allerdings dennoch von statten gehen, da Inhalte in Abhängigkeit von ihrer Komplexität fußballspezifisch vermittelt werden können. Auf das Verhältnis von Spielen zu Übungen ist jedoch unbedingt zu achten!

Im Bereich der E-Jugend wird eine Überzahl-Unterzahl Form dargestellt:

SPIELFORM
  • Passen nur wenn nötig

  • Gegner andribbeln

  • Als Mitspieler anspielbar bleiben

ORGANISATORISCHE STELLSCHRAUBEN
  • Kleine Felder für viele Aktionen

  • Standzeiten an Intensität anpassen

  • mehr Spielen als Üben

ENTWICKLUNGSMERKMALE
  • verlängerte Aufmerksamkeitsspanne

  • motiviert gezielt zu lernen und nicht nur zu spielen

  • sehr individueller Entwicklungsstand

KOMMUNIKATIVE STELLSCHRAUBEN
  • gute Entscheidungen und Aktionen hervorheben

  • Aktionen nachstellen und durchspielen

  • Prinzipien statt konkreter Handlungsanweisungen

Es kommt hierbei deutlich der Charakter von “reiferen” Spielern heraus. Es geht nicht mehr lediglich um das Spielen und Wetteifern, sondern auch ums Lernen. Häufig erlebt man Spieler in diesem Alter mit den Worten “Hey Trainer, schau mal was ich kann!”. Dennoch sind die zu vermittelnden Inhalte wie in allen Altersbereichen einfacher über geeignete Spielformen zu vermitteln. Die gesteigerte Aufnahmefähigkeit und die längere Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit kann man sich auch in zielgerichteten Spielen zu nutze machen.

Die D-Jugend Form stellt sich als komplexe Umschaltübung dar:

SPIELFORM
  • Tempo beim Eindribbeln einfordern

  • Bei 2 gegen 2 weglösen vom Gegenspieler

  • Maximal 4 Spieler pro Startposition

ORGANISATORISCHE STELLSCHRAUBEN
  • Ausgewogenes Verhältnis von Übungs- und Spielformen

  • Anspruchsvolle Aufgaben wählen

  • Kein Stupides Einschleifen von taktischen Verhaltensmustern

ENTWICKLUNGSMERKMALE
  • Verstehen komplexere Zusammenhänge

  • Hohe Lernbereitschaft

  • Große Unterschiede im Entwicklungsstand

KOMMUNIKATIVE STELLSCHRAUBEN
  • Gute Abläufe nachstellen

  • Konsequent sein

  • Prinzipien statt konkreter Handlungsanweisungen

Im D-Jugend Bereich kann die Steigerung der Komplexität fortgeführt werden. Die Spieler haben eine bessere räumliche Wahrnehmung und einen allgemein gesteigerten Wahrnehmungsbereich. Dennoch sollte darauf verzichtet werden, den Spielern Muster für den Spielaufbau per Einschleifen vermittelt zu werden. Spielformen in denen unterschiedliche Lösungen zum Ziel führen sind das Mittel der Wahl. Sie fördern Kreativität und Selbstständigkeit auf dem Platz.

Fragen wurden gezielt beantwortet und die Anmerkungen der Teilnehmer konnten in den Trainingsablauf integriert werden. Ein maximaler Mehrwert wurde so für alle anwesenden Coaches generiert.

MASSNAHME – WORKSHOP 1

Begriffserläuterung: Im Rahmen eines Workshops erarbeiten wir gemeinsam eine umfangreiche Weiterentwicklung des Trainingsangebotes. Neben effektiven und lebendigen Lerneinheiten für Trainer, Funktionäre und Eltern, arbeiten wir gemeinsam auf dem Platz mit den einzelnen Jugendmannschaften.

Als Schwerpunkt definierte der VfR Mannheim die Mannschaften von der F- bis zur D-Jugend. Entsprechend wurden die Mannschaften als Demoteams hinzugezogen. Dies bietet stets zwei Vorteile: Praxisnahe Demonstrationen der Inhalte und die Kids haben eine zusätzliche Einheit in einem etwas anderen Setting.

Themen

  • Grundlagen zum Kinder- und Jugendtraining

  • Effizientes und altersgerechtes Techniktraining

  • Effizientes und altersgerechtes Taktiktraining

  • Zielgerichtetes Coaching und Selbstreflexion

  • Open Space für sämtliche Fragen

Ablaufplan

  • F-Jugend Demotraining mit Erläuterungen zu grundlegenden  Schwerpunkten und Zielsetzungen in diesem Altersbereich

  • E-Jugend Demotraining mit Erläuterungen zu Trainingsprinzipien

  • “In-Game-Coaching” Demonstration und Leitlinien (F-Jugend/D-Jugend)

  • Trainingsbeobachtungen durch AF; Möglichkeit zu Videoaufnahmen mit anschließender Auswertung und Reflexion. Coaches führen Training selbstständig durch.

  • Open Space für sämtliche Fragen

Innerhalb dieser sieben Stunden konnten alle Trainer intensiv geschult werden. Neueste sportwissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse wurden vermittelt, sowie ihre Umsetzbarkeit gezeigt. Dadurch, dass die Trainer selbst Teile des Trainings übernommen haben, waren Möglichkeiten zur direkten Handlungsoptimierung gegeben. Die Coaches nutzten die am Vormittag erworbenen Inhalte direkt im Anschluss in ihren exemplarischen Einheiten, welche von der Gruppe reflektiert werden konnten.

Wie auch bei den Spielern wird hierbei versucht, möglichst realitätsnah in die Situationen zu kommen, um einen optimalen Lerneffekt zu generieren! Eine rundum gelungene Veranstaltung, die lange nachwirkt.

By |2018-03-17T09:22:18+00:00Februar 22nd, 2018|VEREINSBERATUNG|0 Comments

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