NEUES ZUR TRAINERAUSBILDUNG

Muss sich der DFB und die Landesverbände für Innovationen in der Trainerausbildung öffnen? Und wie könnten solche Innovationen aussehen?
Unsere Idee: eine Öffnung der Lizenzierungsmaßnahmen und weniger einseitige Schulungsangebote.

In zwei unserer alten Beiträge zur Trainerausbildung (Teil 1 und Teil 2haben wir unsere Gedanken zu diesem Thema geteilt. Wie bereits mit anderen Beiträgen, möchten wir auch zu diesem hier Stellung beziehen und ihn neu einordnen.

Einer der ersten Sätze stellt dabei eine Zusammenfassung der aktuellen Lage im Trainerausbildungssystems dar:

“Auch wir haben zahlreiche Lehrgänge auf Landes- und Bundesebene besucht und können in vielen Punkten nur beipflichten. Kaum spürbare Entwicklungen im eigenen Trainerverhalten, kaum Inhalte für den Kinderfußball und eine Atmosphäre sowie Fehlerkultur, die ein Lernen auf Teilnehmerseite kaum ermöglicht.”

FRANCHISING IN DER TRAINERAUSBILDUNG

Einen spannenden Vorschlag machen wir am Ende des Artikels:

“Was in der Fitnessbranche längst gang und gäbe ist, würde auch den verkrusteten Strukturen des DFB und den Landesverbänden gut tun. Es finden sich beispielsweise zahlreiche Anbieter zur Vergabe von Fitnesstrainer-Lizenzen. Am Ende entscheidet das Preis-/Leistungsverhältnis darüber, welche Anbieter sich auf dem Markt halten können und welche nicht. Zudem würde man damit auch das Problem der überfüllten Lehrgänge, langen Wartezeiten und wenig mitreißenden Vorträge lösen.

Man wäre als zertifizierte Anlaufstelle dazu angehalten, einen gewissen Katalog an Inhalten zu vermitteln. Doch wäre die Form der Gestaltung sehr viel freier und auch individueller.”

Ein “Franchising” birgt natürlich immer gewisse Gefahren, vor allem was die Reputation und den Qualitätsanspruch des Franchise-Gebers angeht. Hier gibt es aus der Wirtschaft erfolgreich angewandte Qualitätssicherungsmaßnahmen. Mithilfe solcher Maßnahmen wäre es möglich, die Qualität in den Trainerfortbildungen zumindest nicht unter ein gewisses Niveau sinken zu lassen.

EINE ZENTRALE AUSBILDUNGSRICHTUNG?

Wäre es Vorteil, wenn ein Gremium beim DFB zentral die Ausbildungsinhalte und -struktur für sämtliche Landesverbände vorgeben könnte? Vermutlich nein.
Die Trends im Spitzenbereich unterliegen Schwankungen. Mal das taktisch disziplinierte Verteidigen, mal die Weltklasse-Individualisten entscheiden Spiele und ganze Turniere. An diesen subjektiven Wahrnehmungen wird dann die neue Ausbildungsidee orientiert.

Das Problem hierbei liegt jedoch darin, dass die Spieler, die jenes neue System mit seinen Schwerpunkten vollständig durchlaufen, in einem Profifußball ankommen, der womöglich neue Anforderungen für ein erfolgreiches Spiel stellt.

Im aktuellen Fall beim DFB würde das folgendermaßen aussehen: Der allgemeinen Meinung nach zu urteilen, fehlen Deutschland die Individualisten. Keine Spieler die den Unterschied ausmachen und Spiele gewinnen können. Hinzu kommen Themen des Drop-Outs im Jugendfußball.
Nun setzt der DFB und dessen Landesverbände mit ihren Reformversuchen genau dort an. Funino, Formino und weitere kleine Spiele in der Ausbildung der jungen Fußballer. Eine stärkere Gewichtung des Themas Eins-gegen-Eins im Rahmen der Lizenzausbildungen. Eine Verschiebung von gruppen- oder mannschaftstaktischen Themen hin zu den individualtaktischen.

Die Folge? Spieler, die nun in der G-Jugend starten durchlaufen die nächsten 10-12 Jahre ein System mit dieser Ausrichtung. Spieler werden bevorzugt nach dem Kriterium “gutes Eins-gegen-Eins” selektiert.
Im Profibereich kommen Talente an, die möglicherweise eine goldene Ära im Nationalteam einleiten – und die Bundesliga schafft wieder den Sprung an die Weltspitze.
Doch was passiert, wenn sich der Profifußball in diesen 10-12 Jahren verändert? Hin zu einer Art und Weise, die weniger solcher Spielertypen benötigt. Tugenden wie taktische Disziplin und Positionsspiel sind nun wieder “state of the art”.
Wir würden die gleiche Diskussion von relevanten Spielertypen für die Weltspitze führen, wie sie im Moment geführt wird und das Spiel beginnt von vorne.

LÖSUNG? UNTERSCHIEDLICHE STRÖMUNGEN!

Geht man einen weniger zentralistischen Weg, entstehen verschiedene “Strömungen”. Von Landesverband zu Landesverband, von Verein zu Verein unterschiedlich.

Die Meinungen, Ideen und Erfahrungen der einzelnen handelnden Personen würden stärker ins Gewicht fallen. Dies hätte für das angesprochene Beispiel des G-Jugend Fußballers zur Folge, dass man nicht “einen Spielertypen” produziert hätte. Spieler mit den verschiedensten Prägungen könnten den Weg in den Spitzenbereich schaffen. So wäre die Reaktionszeit und das Spielniveau eher gesichert, da man aus dem breiteren Spielerpool die momentan “wichtigen” Spielertypen auswählt.

Neben der ganzen Ausbildungsdebatte sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die Möglichkeiten der Prägung eines Spielers begrenzt sind. Einen 1,94m Hünen zum technisch versiertesten Flügelflitzer zu machen, wird kaum möglich sein. Lionel Messi hat sich ebenfalls in einem Verein und einer Nachwuchsabteilung zum Weltspitze-Individualisten entwickelt, der eigentlich für Ballbesitz- und Tika-Taka-Fußball steht. Der Entwicklung seines herausragenden Eins-gegen-Eins hat das offensichtlich nicht geschadet.

UNTERSCHIEDLICHE ANSÄTZE NUR DULDEN ODER SOGAR FÖRDERN?!

Mit weniger monopolistischen Zügen in den Strukturen des Dachverbands und der Landesverbände könnten zukünftige Trends schneller mitgegangen werden. Neben diesen klassischen Anlaufstellen könnten sich entsprechend spezialisierte Institutionen etablieren, die wissenschaftlich fundierte Arbeit im Nachwuchsbereich leisten können. Von anerkannten Trainerausbildungen über die gezielte Suche nach sinnvollen Innovationen für den Jugendbereich bis hin zu beratenden Tätigkeiten für die teilweise verkrusteten Strukturen.

Die Butter werden sich die beteiligten Parteien zumindest in der Trainerausbildung vermutlich nicht vom Brot nehmen lassen. So verdient bspw. der DFB laut Finanzbericht 2017 sogar noch 115.000€ an seinen Maßnahmen zur Trainerausbildung.

By |2019-06-07T10:54:02+00:00Juni 7th, 2019|Uncategorized|0 Comments

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