TSV ILSHOFEN – TAKTIKTRAINING

AUSGANGSSITUATION

Es gibt immer wieder Vereine die durch ihre “Erste” auf sich aufmerksam machen. Sei es ein kleines Dorf, das im Vergleich zu den anderen Mannschaften hochklassig spielt oder eine Reihe an Aufstiegen hintereinander hingelegt hat. Beim TSV Ilshofen lässt sich beides finden.

Die Mannschaft von Trainer Ralf Kettemann ist nur so durch die Ligen gerast. In der Saison 2017/18 ist man nun in der Verbandsliga Württemberg beheimatet und spielt dort wieder um den Aufstieg mit.

Diese rasante sportliche Entwicklung der “Aktiven” ist jedoch nur ein Baustein des Gesamterfolgs “TSV Ilshofen”. Unter der Führung von Abteilungsleiter Dario Caeiro wurde klug in den eigenen Unterbau investiert: ein Kunstrasen, ein großteils selbst renoviertes Funktionsgebäude sowie ambitionierte und lizenzierte Trainer in der 2009 gegründeten Fußballakademie stellen die Weichen für die Zukunft.

Eine Entwicklung, die viele kurzfristig erfolgreiche Vereine verpasst haben. Weg von potenten Sponsoren, die bei einem Ausbleiben sportlicher Erfolge schnell das Interesse verlieren. Hin zu einem Konstrukt, welches sich vor allem im Jugendbereich selbst tragen kann. Durch eine sportlich ambitionierte Jugendabteilung werden viele ebenso ambitionierte Jugendspieler und Trainer aus der Region aufmerksam. Einmal in Ilshofen angekommen, spürt man ein familiäres Miteinander und eine gewachsene Gemeinschaft. Auch das macht den TSV aus.

Vorhandene Ambitionen haben auch unsere Fortbildung auf dem Vereinsgelände möglich gemacht. Recht schnell war man sich einig darüber, dass der TSV Ilshofen der perfekte Standort in der Region Hohenlohe ist. Eine Fortbildung für die eigenen Vereinstrainer, wie auch interessierte Trainer aus der Region wurde somit ermöglicht. Dadurch kamen mehr als 40 Trainer des Kinderbereichs zusammen und lauschten der Fortbildung.

Thema war unsere zu diesem Zeitpunkt durchgeführten “Taktikfortbildungen”. Oder genauer: “Effektives Taktiktraining im Kinder- und Jugendfußball”.

DAS ZIEL

Der Themenkomplex des “Taktiktrainings” sorgt bei vielen Trainern für die gleichen Vorstellungen vor dem inneren Auge: Abläufe einstudieren, Spieler explizit instruieren und die Erwartungshaltung, dass dies alles bereits im nächsten Spiel umgesetzt wird.

Jedoch sieht die Realität anders aus. Spieler lernen nicht in in schematisch strukturierten Abläufen. Viel eher sollte man sich einige der Eigenschaften von Kindern und Jugendlichen zu Nutze machen. Sie sind neugierig, motiviert, wissbegierig, lernfähig und lernbereit – zumindest wenn der Rahmen stimmt!

Und genau hier ist der springende und alles entscheidende Punkt. Zu oft wird die Lernumgebung nicht altersgerecht gestaltet. Zu häufig presst man die Spieler “gegen” ihren Willen in Formen, in denen sie lernen sollen und müssen, aber nicht wollen. Kinder entdecken gerne neue Inhalte und lernen durch selbst gemachte Erfahrungen. Ralf Rangnicks Satz “Jugendspieler werden im besten Lernalter als Nummerndecker dressiert. Man befiehlt ihnen wie Hündchen, lauf dem oder dem hinterher. Sie werden in ihrem Kindsein völlig reduziert. Denn eigentlich wollen Kinder entdecken, den Ball erobern, Pirat sein.” beschreibt die optimale Gestaltung der Lernwelt für Kinder sehr schön.

Weg vom Einschleifen, weg von standardisierten Abläufen. Das brauchen Kindern nicht, um effizient zu lernen.

Technik vs. Entscheidungstraining

 

Und so wurde auch unsere Fortbildung beim TSV Ilshofen gestaltet. Kindgerechte Formen, welche den Kids Spaß machen und sie inzidentell und implizit lernen lassen. Also ohne die Absicht spezielle Dinge zu lernen und sozusagen “ganz nebenbei”.

Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass ein richtig angewandtes implizites Training nicht nur die Lerngeschwindigkeit erhöht, sondern auch noch die Behaltensrate deutlich gesteigert werden kann. Im Vergleich dazu ist das herkömmliche Einschleifen und Erläutern maßlos ineffizient. Und dazu auch noch anstrengend für Trainer und Spieler. Denn man ist als Coach die meiste Zeit damit beschäftigt, die Spieler “anzuschieben” jetzt doch endlich die Übung mit der nötigen Konzentration durchzuführen.

Also einfach die Voraussetzungen der betreuten Schützlinge nutzen und so gemeinsam mit ihnen ein überragendes Training abhalten!

 

DIE UMSETZUNG

Die Trainer der Mannschaften U7-U13 stellten die angesprochene Zielgruppe dar. Es versammelten sich dadurch zahlreiche dem Grundlagen- und frühen Aufbaubereich verschriebene Coaches. Diese sensible Zeitspanne von “noch Kind” und Beginn der Pubertät verdient in unseren Augen eine besondere Behandlung.

Dies wird in der Unterteilung der Fortbildung in Praxisparts der Bereiche Bambini, F-Jugend, E-Jugend und D-Jugend deutlich. Durch das Darstellen der verschiedenen Altersbereiche sollen alle Trainer abgeholt werden. Und sie sollen ihre Fragen stellen dürfen, wenn es um die für sie relevanten Inhalte geht.

Bambini:

In unserem zur Fortbildung ausgegebenen Booklet finden sich exemplarisch für die verschiedenen Jugenden eine Spiel- oder Übungsform, Top 3 Coachingpunkte zu dieser Form, sowie die drei wichtigsten Entwicklungsmerkmale, organisatorischen und kommunikativen Stellschrauben.

Bei den Bambinis besteht diese Doppelseite aus der Form “Minifußball”:


SPIELFORM
  • Mannschaftsstärken variieren

  • Verschiedene Bälle

  • Zum Dribbling motivieren

ORGANISATORISCHE STELLSCHRAUBEN
  • Kleine Felder für viele Aktionen

  • Klarer und einfacher Aufbau

  • Ausschließlich Spielformen -> Keine Übungen!

ENTWICKLUNGSMERKMALE
  • Kurze Aufmerksamkeitsspanne

  • Hoher Grad an Verspieltheit

  • Starker Bewegungsdrang

KOMMUNIKATIVE STELLSCHRAUBEN
  • Viel Loben

  • Einfach und direkt

  • Motivierend und in Bildern oder Geschichten sprechen

Die bei der Fortbildung durchgeführte Spielform war allerdings ein “Chaosball-Spiel”, mit 4 Parteien und zwei Spielrichtungen bei gleicher Spielfläche. Die gezeigten Formen sollten sich nicht mit denen aus dem Booklet doppeln, da so gewährleistet werden konnte, dass die anwesenden Coaches doppelt so viele Trainingsformen mitnehmen können.

Bei der F-Jugend ist die im Booklet gezeigte Form folgende:

SPIELFORM
  • Tempo in den Aktionen einfordern

  • Mitdenken und schnelles Einpassen loben

  • Torabschlüsse forcieren

ORGANISATORISCHE STELLSCHRAUBEN
  • Kleine Felder für viele Aktionen

  • Klarer und einfacher Aufbau

  • Viele Spiele (80%), wenig Übungen (20%)

ENTWICKLUNGSMERKMALE
  • Kurze Aufmerksamkeitsspanne

  • Hoher Grad an Verspieltheit

  • Starker Bewegungsdrang

KOMMUNIKATIVE STELLSCHRAUBEN
  • Viel Loben

  • Einfach und direkt

  • Motivierend und in Bildern oder Geschichten sprechen

Es wird deutlich, dass die Unterscheidung zwischen den Merkmalen der Kinder im Bambini und im F-Jugend Alter nicht sehr trennscharf ist. Kann sie auch nicht. Die Kinder durchlaufen zwar eine Entwicklung, höchste Relevanz hat dies jedoch nicht für die beiden Altersbereiche. Es lässt sich festhalten, dass ein Training welches Bambini-Kids Spaß bereitet, auch die F-Jugendlichen abholt.

Eine leichte Verschiebung hin zu Übungsformen kann allerdings dennoch von statten gehen, da Inhalte in Abhängigkeit von ihrer Komplexität fußballspezifisch vermittelt werden können. Auf das Verhältnis von Spielen zu Übungen ist jedoch unbedingt zu achten!

Im Bereich der E-Jugend wird eine Überzahl-Unterzahl Form dargestellt:

SPIELFORM
  • Passen nur wenn nötig

  • Gegner andribbeln

  • Als Mitspieler anspielbar bleiben

ORGANISATORISCHE STELLSCHRAUBEN
  • Kleine Felder für viele Aktionen

  • Standzeiten an Intensität anpassen

  • mehr Spielen als Üben

ENTWICKLUNGSMERKMALE
  • verlängerte Aufmerksamkeitsspanne

  • motiviert gezielt zu lernen und nicht nur zu spielen

  • sehr individueller Entwicklungsstand

KOMMUNIKATIVE STELLSCHRAUBEN
  • gute Entscheidungen und Aktionen hervorheben

  • Aktionen nachstellen und durchspielen

  • Prinzipien statt konkreter Handlungsanweisungen

Es kommt hierbei deutlich der Charakter von “reiferen” Spielern heraus. Es geht nicht mehr lediglich um das Spielen und Wetteifern, sondern auch ums Lernen. Häufig erlebt man Spieler in diesem Alter mit den Worten “Hey Trainer, schau mal was ich kann!”. Dennoch sind die zu vermittelnden Inhalte wie in allen Altersbereichen einfacher über geeignete Spielformen zu vermitteln. Die gesteigerte Aufnahmefähigkeit und die längere Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit kann man sich auch in zielgerichteten Spielen zu nutze machen.

 

Die D-Jugend Form stellt sich als komplexe Umschaltübung dar:

SPIELFORM
  • Tempo beim Eindribbeln einfordern

  • Bei 2 gegen 2 weglösen vom Gegenspieler

  • Maximal 4 Spieler pro Startposition

ORGANISATORISCHE STELLSCHRAUBEN
  • Ausgewogenes Verhältnis von Übungs- und Spielformen

  • Anspruchsvolle Aufgaben wählen

  • Kein Stupides Einschleifen von taktischen Verhaltensmustern

ENTWICKLUNGSMERKMALE
  • Verstehen komplexere Zusammenhänge

  • Hohe Lernbereitschaft

  • Große Unterschiede im Entwicklungsstand

KOMMUNIKATIVE STELLSCHRAUBEN
  • Gute Abläufe nachstellen

  • Konsequent sein

  • Prinzipien statt konkreter Handlungsanweisungen

Im D-Jugend Bereich kann die Steigerung der Komplexität fortgeführt werden. Die Spieler haben eine bessere räumliche Wahrnehmung und einen allgemein gesteigerten Wahrnehmungsbereich. Dennoch sollte darauf verzichtet werden, den Spielern Muster für den Spielaufbau per Einschleifen vermittelt zu werden. Spielformen in den unterschiedliche Lösungen zum Ziel führen sind das Mittel der Wahl. Sie fördern Kreativität und Selbstständigkeit auf dem Platz.

ERGEBNIS

Durch die Demogruppe, bestehend aus U10/U11 Spielern, konnte anschaulich demonstriert werden, welche Inhalte genau zu coachen sind und wie die Kids verschiedene Formen spielen. Ebenso konnte einfach aufgezeigt werden, wie die Stellschrauben für eine Steigerung oder Verminderung im Komplexitätsgrad der einzelnen Trainingsbausteine aussehen können. Die auftretenden Fragen und Anmerkungen wurden reghaft und unter Anleitung diskutiert und zum Teil direkt ins Demotraining eingebaut.

Es finden sich häufig erstaunte Gesichter, mit wie wenig “Kraftaufwand” ein solches Training durchgeführt werden kann. Dies lässt sich in unseren Augen auf zwei Punkte zurückführen: 1. Die Kids kennen uns nicht und benehmen sich deshalb; 2. Das Training macht Spaß und es gibt keinen Grund aus der Reihe zu tanzen.

 

Unsere Schützlinge sollten so behandelt werden, wie sie es brauchen. Immer Altersgerecht und an den Bedürfnissen orientiert. Nur so lässt sich gemeinsam ein entspanntes und gleichzeitig zielführendes Training gestalten. Man muss Kinder schließlich auch nicht daran erinnern, Playstation zu spielen – das machen sie von selbst. So sollten wir es auch mit den Inhalten handhaben, die wir als Trainer vermitteln wollen. Mit Freude lernen und lange behalten.

 

Die über 40 Vereinstrainer konnten damit diese Informationen aufnehmen und gleich in den nächsten Tagen in ihr eigenes Training einfließen lassen – die Kinder freut´s!

 

IMPRESSIONEN

By |2018-03-05T11:47:28+00:00Februar 22nd, 2018|FORTBILDUNGEN|1 Comment

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