TECHNIKTRAINING VS ENTSCHEIDUNGSTRAINING

Lieber ein techniklastiges Jugendtraining oder die Entscheidung der Spieler in den Vordergrund stellen?

„80% der Fehler im Profifußball sind Entscheidungsfehler und keine Technikfehler.“

Diese Einschätzung stammt von Horst Wein, einer Koryphäe im Bereich der Spielintelligenzentwicklung im Jugendfußball.

Wir teilen diese Einschätzung und schlagen eine Brücke zum Bereich des Jugendfußballs. Denn trotz dieser Einschätzungen und der möglichen Beobachtungen im Erwachsenenfußball der verschiedensten Klassen, eint die Trainingsgestaltung im Jugendfußball vieler Vereine eins: Übungen zur Technikentwicklung. In diversen Artikeln haben wir nun bereits die Art und Weise des kindlichen Lernens beschrieben. Und eben diese Voraussetzungen sollten der Grund für eine Priorisierung des Entscheidungstrainings sein.

DOCH WAS BEDEUTET ENTSCHEIDUNGSTRAINING?

Den Spielern in den verschiedenen Übungs- sowie Spielformen die Möglichkeit geben, aus einer Anzahl an möglichen Lösungsoptionen wählen zu dürfen. Am besten geht dieser Entscheidung die Beobachtung von bestimmten Vorgängen voraus, um so ein direktes Feedback zur Handlungsausführung zu bekommen.

Ein Ablaufmodell von Mahlo beschreibt die drei Phasen der Ausführung von sportiven Handlungen:

DER WEG ZUM GEWÜNSCHTEN VERHALTEN

Zum einen wird dadurch die Steuerungskomponente der Organisationsform immer wichtiger (Welche Spiel- und Übungsformen wähle ich, um ein gewünschtes Verhalten hervorzurufen?) und zum anderen beschreibt die Sportwissenschaft zwei Handlungsmodelle für den Trainer.

Verbesserung der Lösungskompetenz

Die Spieler werden hinsichtlich ihrer möglichen Lösungsoptionen gecoacht und der Fundus aus dem geschöpft werden kann, wird erweitert.

  • Ziel: Torchancen im letzten Drittel erzeugen.

  • Organisationsform: 3vs2 mit zwei Linienverteidigern

  • Ergebnis: 50% der gespielten Situationen kommen zu keinem Torabschluss, geschweige denn zu einem Torerfolg.

  • Lösung: Die Offensivspieler hinsichtlich ihrer Lösungsfindung im Verhalten optimieren. Am größten sind hierbei die Lernerfolge, wenn man die Spieler durch Fragen am Lösungsprozess beteiligt.

  • Beobachtung: Erzeugen die Spieler mehr und qualitativ hochwertigere Torschussmöglichkeiten? Wie ist die Quote von Aktion zu gewünschtem Verhalten?

Verringern der situativen Lösungsanforderung

Ist die gewählte Organisationsform zu komplex, oder das gewünschte Verhalten trifft zu selten ein, besteht die Möglichkeit die Form so zu verändern, dass sich die Häufigkeit der gewünschten Handlungen erhöht.

  • Ziel: Das Überzahlspiel verbessern

  • Organisationsform: 6vs5

  • Ergebnis: Die Spieler schaffen kaum mehr als 3-4 kontrollierte Pässe am Stück. Von einem stabilen Ballbesitz ist kaum zu sprechen.

  • Lösung: Verschiedene Möglichkeiten, um die Druckbedingungen für das “Coachingteam” zu optimieren wie bspw. einer Vergrößerung der Spielfläche, einer größeren Anzahl an Mitspielern (erhöht dennoch die Komplexität!!) oder eine Reduzierung der Gegneranzahl.

  • Beobachtung: Sind die Ballbesitzphasen nun länger und gewünschte Verhaltensweisen werden häufiger gezeigt?

  • Ja: Perfekt!

  • Nein: Lösungsanforderung weiter mindern.

Die technischen Komponenten zur Lösung dieser Aufgaben werden implizit mitgeschult – und zwar in einer spielnahen Situation. Ist die Situation einfach genug gewählt, schaffen auch Spieler mit keiner wettkampfstabilen Technik die gestellten Aufgaben. Somit lernen sie direkt die Techniken unter spielnahen Bedingungen anzuwenden.

By |2018-03-10T12:58:10+00:00Februar 22nd, 2018|WISSENSTRANSFER|3 Comments

3 Comments

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  2. […] große Vorteil bei dieser Vermittlung, welche nebenbei (implizit) und unabsichtlich (inzidentell) geschieht, ist die Anwendung in sämtlichen Situationen des Spiels. Dabei spielt es keine Rolle ob […]

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