GRUNDLAGEN UND DEFINITION DER TAKTIK

Wir werden in den kommenden Blogbeiträgen einen Blick in die sportwissenschaftliche Literatur werfen und sie für euch so aufarbeiten, dass sie einerseits einfach verständlich und andererseits knapp zusammen gefasst wird.
Nachfolgenden die Themen für die Beiträge.

  • Theoretische Grundlagen und Definitionen der Taktik
  • Vermittlungsansätze zur Einführung von Taktiktraining
  • Praktische Implementierung für Kinder- und Jugendtrainer
Technik, Kondition, Taktik

Nach Roth (1989) wird im Fußball und anderen Sportspielarten zwischen drei Hauptkategorien unterschieden um sportspielspezifische Leistung zu messen. Technik beschreibt das Zusammenspiel aller Bewegungsfertigkeiten, welche durch Lern- und Übungsvorgänge auf der Grundlage motorischer Fähigkeiten herausgebildet werden und weitgehend automatisierte Komponenten der motorischen Tätigkeit sind.
Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft und bestimmte koordinative Fähigkeiten sind als Kondition zu benennen.  Die Leistungskomponente Taktik, bezeichnet “den Einsatz eines Systems von Handlungsplänen und Entscheidungsalternativen, das Handlungen so zu regeln gestattet, dass ein optimaler sportlicher Erfolg möglich wird.“ (Martin, Carl und Lehnertz, 2001, S.229) Taktik ist dagegen nicht, wie oftmals angenommen, gleichzusetzen mit defensiver Organisation starr einstudierten Spielzügen oder klaren Positionierungen in Spielsystemen/-formationen.

Zweck und Ziel von Taktiktraining

„Kinder werden im besten Lernalter als Nummerndecker dressiert. Man befiehlt ihnen wie Hündchen, lauf dem oder dem hinterher. Sie werden in ihrem Kindsein völlig reduziert. Denn eigentlich wollen Kinder entdecken, den Ball erobern, Pirat sein.” Ralf Rangnick (2016)

Wie man anhand der Abbildung 1 sieht, besteht eine unmittelbare Verbindung zwischen den Leistungskomponenten Technik und Taktik. Die Erfordernisse zur Lösung einer Spielsituation ergeben sich primär aus der taktischen Perspektive. Der Spieler nimmt die Spielsituation wahr, verarbeitet die wahrgenommenen Informationen, sucht Lösungen, trifft eine Entscheidung und führt diese aus. Die Ausführung der motorischen Handlung erzeugt eine neue Situation und der Prozess beginnt von Neuem.

Abb. 1: Phasen des taktischen Handelns (Bruckmann/ Recktenwald 2010, S.42)

Abb. 1: Phasen des taktischen Handelns (Bruckmann/ Recktenwald 2010, S.42)

Eine gut ausgebildete taktische Spielfähigkeit ist maßgebliche Voraussetzung für eine hohe Spielleistung, die als erfolgreiches Spielverhalten zu bezeichnen ist. Im Falle eines Fußballers ist letzteres anhand vieler Key Performance Indicators wie z.B. gewonnene Zweikämpfe, Assists oder Tore zu beurteilen. Was jedoch als Maßstab genommen wird, ist abhängig von der jeweiligen Art und Weise wie Fußball “gespielt werden soll”.

Martin, Carl und Lehnertz (2001, S.229) definieren Taktik als „den Einsatz eines Systems von Handlungsplänen und Entscheidungsalternativen, das Handlungen so zu regeln gestattet, dass ein optimaler sportlicher Erfolg möglich wird.“ Stiehler et al., (1988, S.96) sehen die taktische Ausbildung unabdingbar, da in ihr „die intellektuellen Voraussetzungen taktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Umsetzung der Spielkonzeption“ entwickelt werden. Taktiktraining sollte nach Westphal, Gasse und Richtering (1987) folgende Ziele verfolgen:

  • Ausbildung taktischer Kenntnisse
  • Ausbildung der Wahrnehmungsfähigkeit
  • Erarbeitung von Entscheidungsschritten
  • Anleitung zur Selbstkontrolle

Individual-, Gruppen-, und Mannschaftstaktik

Individualtaktik beschreibt die Maßnahmen und Überlegungen einzelner Spieler. Einbezogen werden jene Aktionen, laut Roth (1989, S.9) von Spielern, “in denen diese in einer Grundsituation 1:1 bzw. 1:2 usw., also ohne direkte Einbeziehung ihrer Mitspieler versuchen, ein angestrebtes Ziel zu erreichen.” Im Spiel kann das z.B. das Freilaufen/Freibleiben oder die Entscheidung zwischen einem Schuss/Pass oder einem Dribbling sein.
Von Gruppentaktik wird gesprochen, wenn mehrere Spieler an einer Aktion partizipieren. Roth (1989, S.9) beschreibt es folgendermaßen „Bei gruppentaktischen Maßnahmen beziehen die Entscheidungs- bzw. Auswahlprozesse eines Sportlers immer die Aktionen mindestens eines weiteren Mitspielers mit ein“. Diese Aktionen können beispielhaft das Bilden eines Abwehrdreiecks oder das Überladen eines Raumes im eigenen Ballbesitz sein.
Mannschaftstaktik beschreibt immer Aktionen oder Vorhaben des gesamten Teams. Roth (1989, S. 9) nennt hierbei die „Festlegung des Spielsystems und der Deckungsart“, denen ein gemeinsames Konzept zu Grunde liegt.

Taktik und Strategie

Folgend soll der Unterschied zwischen Taktik und Strategie im Fußball erläutert werden. Eine Strategie ist die Antwort auf die Frage des “Was (soll erreicht werden)”. Wo hingegen Taktik die Frage auf die Antwort ist “Wie (etwas erreicht werden soll)”. Beispielsweise ist ein dominanter Spielstil die Strategie und Überlegung vor dem Spiel, wohingegen das Angriffspressing gegen den Ball sowie lange Ballbesitzphasen mit dem Ball, die Taktik während des Spiels darstellen.

  • Roth, K. (1989). Taktik im Sportspiel: zum Erklärungswert der Theorie. Schorndorf: Hofmann.
  • Martin, D., Carl, K. & Lehnertz, K., (2001). Handbuch Trainingslehre, Verlag Hofmann Schorndorf, S.229
  • Stiehler, G., Konzag, G. & Döbler, H. (1988). Sportspiele. Berlin: Sportverlag. 13f, 96
  • Westphal, G., Gasse M. und Richtering G., (1987). Entscheiden und Handeln im Sportspiel. Münster: Philippka. (65ff)
By |2019-05-20T08:49:00+00:00April 21st, 2019|WISSENSTRANSFER|0 Comments

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