MITGLIEDSBEITRÄGE IM FUSSBALL

Kann bei einem Monatsbeitrag von 3€ ein gutes Fußballtraining erwartet werden?

In unserem neuesten Blog-Artikel befassen wir uns mit der Thematik von Mitgliedsbeiträgen im Sport allgemein und speziell im Fußball. Denn die vorhandenen ehrenamtlichen Tätigkeiten im Sport sind eine sehr exklusive und zum Teil “deutsche” Herangehensweise.

In weiten Teilen der Welt werden für Sportangebote Preise verlangt, die man sich in Deutschland kaum vorstellen kann.

In diesem Rahmen bewegen sich unserer Erfahrung nach auch die Beträge in den meisten Fußballvereinen. 25-50€ Jahresbeitrag werden fällig, um aktiv am Sportgeschehen beim Fußballverein um die Ecke teilzunehmen.

KÖNNEN VEREINE DAMIT EINE GUTE ARBEIT LEISTEN?

Die Mitgliedsbeiträge in Deutschland entsprechen auch den groben Werten einigen Nachbarländern.

Diese niedrigen Summen sind jedoch in anderen Teilen der Welt nicht unbedingt üblich. In den USA werden in den Fußballschulen gerne mehr als 800$ im Jahr verlangt – exklusive Ausrüstung, Turnierteilnahmen, Fahrten. Strukturen wie in der deutschen Vereinslandschaft gibt es nicht. Auch in Tunesien oder Einrichtungen in China werden teils horrende Preise für die Betreuung der jungen Sportler aufgerufen. Trotz eines Bruttoinlandsprodukts und einem Gehaltsniveau, dass weit weg ist von dem im “reichen” Deutschland.

Dadurch hat sich jedoch eine Kluft in der Qualität der Ausbildung in bspw. den USA ergeben. Nicht alle können sich so eine gute Entwicklung ihrer Kinder “erkaufen”. Der Jugendfußball wird exklusiv.

Der einleitende Absatz in einem Artikel vom “Guardian” beschreibt das Problem:

Auch bei “CNBC” werden die steigenden Ausgaben für den Sport der Kinder und Jugendlichen thematisiert:

Für viele US Bürger stellt sich dadurch die Angst ein, nicht für die College-Kosten ihrer Kinder aufkommen zu können:

So spekulieren einige der Eltern auf Sportstipendien für ihre Kinder und rechtfertigen damit die hohen Ausgaben im Kindes- und frühen Jugendalter:

Doch kommen wir wieder zurück auf die deutsche Ausgangssituation. Und auf die 3€ im Monat, welche für die Mitgliedschaft eines Kindes im lokalen Fußballverein ausgegeben werden müssen.

Schauen wir uns beispielhaft einen 11-jährigen Fußballer an, welcher in der E-Jugend eines kleinen Vereins spielt. Zwei mal Training die Woche und ein Spiel am Wochenende sind der Aufwand des Kindes, wie auch der des Trainers.

Bedeutet eine reine Trainingszeit von drei Stunden pro Woche, sowie 90min Spiel inkl. Aufwärmen. Vier Stunden und dreißig Minuten Aufwand also pro Woche – ohne Anfahrt, Abfahrt, Vorbereitung, Nachbereitung oder Elternmanagement.

Das macht eine reine Betreuungszeit für das Kind von 18 Stunden pro Monat. Umgerechnet also 16 Cent für eine Stunde Betreuung. Selbst bei 20 Kindern im Training und einer 100%igen Weitergabe der Beiträge an den Trainer, würde sich der Stundenlohn auf 3,20€ belaufen. Und nochmal: ohne den dazugehörigen Zeit- und Kostenaufwand (Spritkosten, Verschleiß, Material/Trainingskleidung?) zu berechnen. Ziemlich mau eigentlich. Aber das Ehrenamt entschädigt natürlich für alles.

Übertragen wir die Zeit, welche die Kinder betreut werden, auf andere Bereiche, zeichnet sich schnell ein anderes Bild ab.

So wurde aus 900 Angeboten diese Analyse für den Klavierunterricht erstellt:

  • Entsprechend würden selbst 14 Kinder einer Mannschaft im Monat (!!!) gemeinsam weniger bezahlen, als eine Stunde Klavierunterricht kostet.

  • Selbst ein Happy-Meal bei McDonalds kostet mehr als das durchschnittliche Vereinstraining pro Monat – nämlich 3,99€.

Doch selbst wenn man im Fußball bleibt, tut sich eine Kluft auf. Viele private Fußballschulen fahren erfolgreiche und völlig ausgebuchte Angebote in ganz Deutschland. Einzeltraining (auch: Individualtraining), Kleingruppentraining, Fördertraining, Feriencamps. Alles hat dort seinen Preis, den eine Vielzahl der Elternschaft auch ohne mit der Wimper zu zucken bereit sind zu zahlen.

Diese unterschiedliche Auffassung ist nicht immer rational zu begründen. Dasselbe Angebot, mit demselben Fußballtrainern und demselben Umfang würde bei demselben Preis für einen Aufschrei im Heimatverein sorgen: “Das ist viel zu teuer!!”.

Der Nachhilfeunterricht mit unmotiviertem Lehrpersonal in einer heterogenen Gruppe darf dann aber gerne 15€ die Stunde kosten.

„IM FUSSBALL IST DAS ABER WAS ANDERES… DER HAT NOCH NIE WAS GEKOSTET… WARUM AUCH?“

Jedoch hat sich was im Fußball verändert. Zumindest gefühlt. Nämlich die Erwartungshaltung der Eltern!

Schnell ist man unzufrieden, wenn die Spiele nicht gewonnen werden. Oder aber, wenn das Kind mal unzufrieden nach Hause geht. Eine Lizenz sollte der Trainer schon auch haben, am besten gepaart mit einer pädagogischen Ausbildung.

So viele Eltern scheinen unzufrieden mit dem Angebot in ihrem heimischen Verein, dass sie eben dazu bewegt, Zusatzangebote bei privaten Anbietern einzuholen. Die kosten dann zwar, jedoch erfüllt das durchgeführte Training den vermeintlich gestiegenen Qualitätsanspruch der Mamas und Papas.

WÄRE DIESES GELD IM VEREIN BESSER AUFGEHOBEN?

Mit einem Rechenbeispiel von 50€ pro Monat für den heimischen Club verdeutlichen sich mögliche Lösungen. 2,80€ wären das ungefähr pro Betreuungsstunde. Entsprechend deutlich günstiger als andere Angebote oder dem Happy-Meal.

Bei 12 Kindern im Fußballtraining würden somit 600€ monatlich umgesetzt werden. Damit kann der Trainer für seinen Aufwand entschädigt werden – wenn er das möchte. Berufstätige und gut verdienende Väter verzichten ohnehin schon häufig auf solche Arrangements und lassen sich Spendenquittungen ausstellen. Eine Win-Win Situation für Fußballverein und Fußballtrainer.

Doch jetzt finden wir im Breitensport Fußball einen Trainermangel. Mit dem zur Verfügung stehenden Geld könnte man den engagierten A-Jugendspieler bzw. Studenten aktivieren, welcher zwar gerne eine Mannschaft trainieren würde, im Moment aber auch seinen Lebensunterhalt bzw. seine Kosten zum Teil refinanziert sehen möchten. In unseren Augen auch zurecht.

Bedeutet konkret: 200€ für Trainer 1, 200€ für Trainer 2. Nicht nur als “Gehalt”, sondern auch als Finanzierung für etwaige Lizenzen, Hospitationen, Lehrgänge und Fortbildungen.

Übrig bleiben zusätzliche 200€ jeden Monat.

Diese können verwendet werden, um den sozial schwächer gestellten Mannschaftsmitgliedern Teile der Kosten oder den Gesamtbetrag zu erstatten. Oder dem neu im Sportverein angekommenen Kind aus einem der vielen Krisengebieten eine sportliche und soziale Heimat zu bieten – Kostenübernahme für Fußballschuhe, T-Shirts und Hose inklusive.

Darüber hinaus wird der Rest zur Seite gelegt, für einen gemeinsamen Ausflug am Saisonende.

So würde man nicht nur neues, junges und motiviertes Trainerpersonal an Land ziehen können, sondern dieses auch noch adäquat ausbilden.

Und die Diskrepanz zwischen dem Anspruch vieler Eltern und der Umsetzbarkeit würde endlich wieder eine gewisse Annäherung erfahren.

By |2018-03-13T13:42:21+00:00März 13th, 2018|WISSENSTRANSFER|4 Comments

4 Comments

  1. Sven März 14, 2018 at 5:56 pm - Reply

    Ich habe mein Ehrenamt (Lizenzierte Fussballtrainer C-Lizenz) aufgegeben.
    Ich war mehr mit der Erziehung der Eltern beschäftigt, als den Kindern einer F-Jugend Fussball zu vermitteln.

    • Joscha Balle März 19, 2018 at 8:43 am - Reply

      Hallo Sven, das ist leider oftmals der Fall. Klare Regeln und Absprachen können dabei helfen, wichtig ist dann vor allem wie es von den Eltern angenommen wird. Hast du vor in absehbarer Zeit wieder etwas im Kinderbereich zu tun? /jb

  2. Pamperel Karl März 18, 2018 at 6:24 pm - Reply

    wichtig ist
    der Mitgliedsbeitrag sollte angehoben werden bei der 2. Klasse, 1 Klassen u s w jeweils bei den Vereinen weil Nachwuchsarbeit

    • Joscha Balle März 19, 2018 at 8:45 am - Reply

      Hallo Karl, kannst du das nochmal genauer erklären? Welche Erfahrungen hast du mit diesem Thema bei euch im Verein gemacht? /jb

HINTERLASSE EINEN KOMMENATR