MYTHOS 10.000 STUNDEN REGEL

Viele haben davon schon mal gehört: Die 10.000 Stunden Regel. Investierst du 10.000h an Übung in einem bestimmten Bereich, wirst du darin zur Weltspitze gehören.

Doch obwohl diese These bereits mehrfach widerlegt wurde, hält sie sich weiter hartnäckig. So werden bestimmte Muster weiter rigoros eingeschliffen, um dann später zu den Besten zu gehören.

Weit gefehlt. Und zwar aus zwei elementaren Gründen.

  • TALENT

  • BEOBACHTUNG

Was als Hypothese eines Wissenschaftlers begann, hat sich zu einer vermeintlich anerkannten Methode für Spitzenleistungen entwickelt: Die 10.000 Stunden Regel.
Anders Ericsson war dieser Wissenschaftler. Und auf die Idee brachte ihn eine Untersuchung seiner Studenten an einer Musikakademie. Die Studenten, die bereits in frühen Jahren mit dem Üben verschiedenster Instrumente begonnen haben, waren auch diejenigen, welche im Studium besonders gut abschnitten.

Dazu hat der Neurologe Daniel Levitin folgende Aussage in die gleiche Richtung getätigt:

Dies würde im Umkehrschluss bedeuten: Egal welche Eigenschaften und “Talente” eine Person mitbringt, mit genug Stunden an Übung wird sie zum Profi – in jedem Fachgebiet.
Was die Grundlage für diese Vermutungen darstellt, nennt sich das “deliberate practice”-Model.

Die fünf wichtigsten Punkte wurden prägnant im Blog von “healthyhabits” zusammengefasst:

 

 

WELCHE PROBLEME BEINHALTET DIE 10.000 STUNDEN REGEL?

Warum wird nicht jeder zum Profifußballer? In der Welt des Sports und speziell im Fußball spricht man häufig von “Talenten”. Dieser Begriff findet in der 10.000er Regel keine Anwendung. Unabhängig von Begabungen kann jeder alles erreichen, in jedem Gebiet. Hauptsache, man befolgt die oberen 5 Punkte.


Zusätzlich zeigen wie oben bereits beschrieben viele Untersuchungen darauf hin, dass die Differenzen zwischen den investierten Stunden teilweise enorm sind.
Was bleibt somit festzuhalten?

Will man ganz nach oben kommen, sollte man üben. Allerdings auch in die richtige “Richtung”.


By |2018-11-30T15:07:07+00:00März 16th, 2018|WISSENSTRANSFER|2 Comments

2 Comments

  1. Christian Dobrick März 19, 2018 at 5:04 pm - Reply

    Die Frage, die sich aus diesen Ergebnissen unweigerlich ergibt, ist doch, inwiefern das Training, dass in den NLZ der Bundesligisten (häufig nach Coerver-Modell oder Varianten desselbigen) gemacht wird, überhaupt förderlich für das entwickeln von eben jenen Talenten ist. Rein objektiv würde es zumindest auch die Drop-Out-Quote in den NLZ von U10-U19 erklären und die NLZ schlicht als Selektions- denn als Ausbildungszentren deklarieren.

    Wenn ein Bewegungstalent, dass die genetischen Anlagen mitbringt, Profifußballer zu werden, tatsächlich nur zu 12 Prozent vom „Einschleifen“, wie es beim Coerver-Modell üblich ist, profitiert, wäre es im Umkehrschluss viel verschwendete Trainingszeit, die aufgewandt werden könnte, um andere Attribute des Kindes/Jugendlichen zu fördern, die im modernen Leistungssport essentiell sind. Und hinsichtlich des Ausbildungsgedanken wäre es wohl auch für jene produktiver, die nicht die genetischen Anlagen mitbringen, es in die Leistungsspitze zu schaffen, da sie somit ebenfalls Dinge erlernen würden, die in ihrem späteren (sportlichen und gesundheitlichen) Lebensweg sinnvoller wären, als der 10.000-Übersteiger.

    Mir stellt sich daher die Frage, ob ihr ein überzeugendes Gegenmodell habt und in welchen Punkten es sich von der im DFB geläufigen Ausbildungsmethode maßgeblich unterscheidet.

    • Sabahudin Mislimi März 20, 2018 at 5:42 pm - Reply

      Hallo Christian,
      vielen Dank für deinen Beitrag. Einen Überblick zu unseren grundlegenden Annahmen und Leitlinien für den Jugendfußball findest du hier: http://advance.football/prinzipientraining/

      Ansonsten lehnt sich unser Ansatz der Ausbildung an verschiedene Modelle aus der Sport- bzw. Kognitionsforschung an.
      Grundsätzlich orientieren wir uns am LTAD -> Long Term Athlete Development. Weiter unten auf dieser Seite findest du die Beschreibung dazu: https://www.brianmac.co.uk/ltad.htm
      Und hier gibt es tiefergehende Informationen: https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=BRLpAAAAQBAJ&oi=fnd&pg=PT10&dq=long+term+athlete+development&ots=SrzhNgYY9G&sig=4rq4GqRLBz_loo1tCjHhvk2mChU#v=onepage&q=long%20term%20athlete%20development&f=false

      Die sportliche Entwicklung (ungeachtet der konkreten Sportart) ist in vier Phasen unterteilt. Exemplarisch hier mal die erste Phase:
      1. Active Start Stage: Alter 0-6 ; hier steht die Vermittlung von „Spaß an Bewegung“ im Vordergrund. Vielseitig und losgelöst von späteren Zielsportarten.

      Es geht von einer vielseitigen Ausbildung im frühen Kindes- und Jugendalter, hin zu einer sportartspezifischen.

      Bedeutet für uns im Training: Diverse Möglichkeiten der Bewegungserfahrung zu bieten, ungeachtet des „Talents“ der Schützlinge. Auch ein „Könner“ benötigt diese Basis für spätere Spitzenleistungen. Techniken dienen damit allein für den Transport der Idee auf den Rasen. Technik muss nicht „perfekt“ sein, sondern funktional. So trainieren wir auch.

      Neben diesen langfristigen Ausbildungszielen haben wir hier die konkreteren Inhalte nach dem Model der Heidelberger Ballschule dargestellt: http://advance.football/positionstraining/

      Zusammenfassend kann man sagen, dass wir ein Entscheidungstraining im Jugendfußball anbieten möchten. Dieses fußt auf der Basis einer motorischen Grundausbildung und soll vor allem zwei Elemente beinhalten: Spaß und Dynamik.

      Weg von den vielen „Übungsformen“ hin zu „Spielformen“ in denen die Spieler altersgerecht und vermehrt implizit lernen können. Das ist vermutlich der größte Unterschied zu den vielen gängigen Ausbildungskonzepten. Und wenn man bei „DFB Training online“ vorbei schaut, sieht man, dass auch dort noch ein tradiertes Verständnis von Fußballtraining vermittelt wird. Explizites Üben mit standardisierten Abläufen.
      Dabei sind die oben beschriebenen Möglichkeiten so viel effizienter und schon zahlreich wissenschaftlich belegt…

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