LEHREN AUS DEM EISHOCKEYTRAINING

Ein Blick über den Tellerrand hat noch niemandem geschadet. Auch deshalb gehen wir unsere Aufenthalte im Ausland immer mit dem Ziel an, nicht nur Ideen und Wissen zu vermitteln, sondern auch zu erhalten.
Es ist immer spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Ansätze im Jugendsport doch sein können.

Aus einem freundschaftlichen Kontakt zu einem Eishockey-Jugendtrainer ist ein Trainingsbesuch beim Mannheimer ERC entstanden. Dieser ist neben den Jungadlern (Nachwuchs der Adler Mannheim) und den Mad Dogs Mannheim einer von drei Eishockey-Vereinen der Stadt.

Wir möchten hier kurz von unseren Trainingseindrücken berichten und mögliche Lehren für das Fußballtraining aufzeigen.

Viele interessante Beobachtungen

Die U10, U11, U12 und U13 Trainingseinheiten haben grundsätzlich deutlich dynamischer und konzentrierter gewirkt, als ein Training in denselben Altersstufen im Fußball. Dies hängt vermutlich auch stark mit der höheren Durchschnittsgeschwindigkeit zusammen, mit der sich die Kinder über das Eis bewegen. Wirkliche Standzeiten gibt es in der Regel nur beim Einteilen der Teams oder dem Erklären von neuen Übungen.

Während den Trainingsformen verpassen die Kinder auch nie ihren Einsatz, weil sie mit anderen Dingen beschäftigt sind. Dadurch wird eine hohe Frequenz gewährleistet und die Trainingszeit effizient genutzt.

Keine Trinkpausen?!

Zur Effizienz trägt zudem das Fehlen von Trinkpausen bei. Was im Fußball durch “Okay Jungs/Mädels, geht schnell was trinken” gelöst werden muss, umschiffen einige Kollegen aus dem Eishockey mit “individuellen Trinkpausen”.

Das Kind geht trinken, wenn es durstig ist. Beispielsweise nach einem Durchlauf in einer Trainingsform, bevor es sich wieder hinten anstellt. Dabei skaten die Kids im hohen Tempo in Richtung Auswechselbänke, drücken sich irgendeine der Flaschen an die Facemask und sind nach insgesamt 20 Sekunden wieder zurück in der Übung.
Unseren Beobachtungen nach gehen gut und gerne bis zu 15-20 Minuten in einem 90-minütigen Fußballtraining für Trinkpausen drauf. Und das hat dann relativ wenig mit Belastungssteuerung zu tun, sondern die kollektive Pause wird als Chance genutzt, mit den anderen Spielern über alle möglichen Themen zu sprechen und zu trödeln.

Die Trainingsplanung – Viele Kinder, wenig Platz

Nun jedoch zum konkreten Trainingsablauf. Durch freundliche Bereitstellung der Kollegen vom MERC können wir hier den Trainingsplan sowie Trainingsvideos zeigen.

Geplant war das Training für 39 Kinder bei 5 Coaches auf dem Eis, dass eine halb so große Fläche aufweist wie ein Fußballfeld. Da sollen sich Fußballtrainer mal nicht beschweren “zu wenig Platz” zur Verfügung zu haben.

Unsere Trainingseindrücke

Gestartet wurde bei allen gesehenen Einheiten mit einer Art “Tummelphase” mit und ohne Pucks.

1. Zwei-gegen-Zwei plus Zwei

Die ballbesitzende Mannschaft hatte zwei neutrale Anspieler auf der gegenüberliegenden Seite vom Tor. Im Feld wurde ein 2vs2 gespielt mit dem Ziel, ein Tor zu erzielen.

2. Eins-gegen-Zwei ohne Schläger

Diese Übung hieß intern “The Wall”. Schwerpunkt für die Verteidiger war es, keine Schussfenster für den Stürmer zuzulassen. Jedoch mussten sie ihre Schläger liegen lassen, um eine methodische Erschwerung zu haben. Der Stürmer musste durch diverse Richtungswechsel zu Schussmöglichkeiten kommen.
Ein perfektes Beispiel für implizites Training. Anstatt teilaktive Gegenspieler zu beschreiben und im Nachgang immer Diskussionsbedarf zu haben, ob dieses oder jenes Verhalten noch teilaktiv war oder nicht, wird durch die organisatorische Veränderung das gewünschte Verhalten beider Seiten provoziert.

3. Eins-gegen-Eins auf vier Tore

Ein Eins-gegen-Eins mit insgesamt vier Toren und einem Wechsel der Aufgaben. Bekannt aus diversen Videobeispielen bei uns im Blog und bei Facebook.

4. Abschlussturnier

Bei der U10 gab es zum Abschluss eine Art “Tschechen-Rolle” als Abschlussturnier. Die beiden pausierenden Mannschaften mussten bei Kommando des Trainers direkt auf das Eis, der Ballbesitz blieb bestehen.

Die Verabschiedung

Eine weitere Beobachtung, die in unseren Augen viel zu oft vernachlässigt wird im Fußball: eine ritualisierte Verabschiedung. Ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln ist ein mächtiges Werkzeug für eine Emotionalisierung der Kids. Ebenso wichtig eine ordentliche Begrüßung der Spielerinnen und Spieler vor dem Training.

Falls ihr also mit ihnen in Austausch kommen möchtet, geht es hier zur Anmeldung:

Trainertreff – Hier geht’s lang!
By |2018-10-12T21:06:33+00:00Oktober 12th, 2018|TRAININGSZEIT|0 Comments

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