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MITGLIEDSBEITRÄGE IM FUSSBALLVEREIN

  • Monatliche Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen belaufen sich durchschnittlich auf 2,50€ - 3€.
  • Der niedrige Beitrag birgt Chancen und Risiken.
  • International sind deutlich höhere Beiträge die Regel.

Das Ehrenamt schwindet. Vereinszugehörigkeit wird nur noch als Mittel zum Zweck verstanden. Diese Entwicklungen, in Kombination mit stagnierenden Mitgliederzahlen im Vereinsfußball, lässt einen über folgende Erhebung nur noch den Kopf schütteln.
Zwischen 2,50€ und 3€ beträgt der durchschnittliche, monatliche Mitgliedsbeitrag in Sportvereinen für Kinder und Jugendliche in Deutschland (Statista 2015).

In diesem Rahmen bewegen sich unserer Erfahrung nach auch die Beträge in den meisten Fußballvereinen. 25-50€ Jahresbeitrag werden fällig, um aktiv am Sportgeschehen beim Fußballverein um die Ecke teilzunehmen.

ES STELLT SICH DIE FRAGE: KÖNNEN VEREINE DAMIT EINE GUTE ARBEIT LEISTEN?
Diese niedrigen Summen sind jedoch in anderen Teilen der Welt nicht unbedingt üblich. In den USA werden in den Fußballschulen gerne mehr als 800$ im Jahr verlangt – exklusive Ausrüstung, Turnierteilnahmen, Fahrten. Strukturen wie in der deutschen Vereinslandschaft gibt es nicht. Auch in Tunesien oder in China werden teils horrende Preise für die Betreuung der jungen Sportler aufgerufen. Trotz eines Bruttoinlandsprodukts und einem Gehaltsniveau, dass weit weg ist von dem in Deutschland. Dadurch hat sich jedoch eine Kluft in der Qualität der Ausbildung in bspw. den USA ergeben. Nicht alle können sich so eine gute Entwicklung ihrer Kinder “erkaufen”. Der einleitende Absatz in einem Artikel vom “Guardian” beschreibt das Problem:
He sees well-to-do families spending thousands of dollars a year on soccer clubs that propel their children to the sport’s highest levels, while thousands of gifted athletes in mostly African American and Latino neighborhoods get left behind. He worries about this inequity. Soccer is the world’s great democratic game, whose best stars have come from the world’s slums, ghettos and favelas. And yet in the US the path to the top is often determined by how many zeroes a parent can write in their checkbook.”
Auch bei “CNBC” werden die steigenden Ausgaben für den Sport der Kinder und Jugendlichen thematisiert:
“Over the past 10 years, Alison and Scott Bermack have traveled hundreds of miles—and spent thousands of dollars—to attend gymnastic practices, workouts and tournaments with their son Zachary, now 16. „It averages around $300 a month, year-round for training and that’s not including airfare, hotel rooms and food, uniforms and event fees,“ said Alison, a 44-year-old freelance writer with two other children.”
Für viele US Bürger stellt sich dadurch die Angst ein, nicht für die College-Kosten ihrer Kinder aufkommen zu können:
So spekulieren einige der Eltern auf Sportstipendien für ihre Kinder und rechtfertigen damit die hohen Ausgaben im Kindes- und frühen Jugendalter: 
“That ties into a winning-at-all-costs mentality with a financial goal in mind, he added. „It’s not just about learning teamwork but about money,“ Hollander said. „Some—not all, of course—but some parents see college scholarships as a reason to get their kids into youth sports.“
Doch kommen wir wieder zurück auf die deutsche Ausgangssituation. Und auf die 3€ im Monat, welche für die Mitgliedschaft eines Kindes im lokalen Fußballverein ausgegeben werden müssen. Schauen wir uns beispielhaft einen 11-jährigen Fußballer an, welcher in der E-Jugend eines kleinen Vereins spielt. Zwei mal Training die Woche und ein Spiel am Wochenende sind der Aufwand des Kindes, wie auch der des Trainers. Bedeutet eine reine Trainingszeit von drei Stunden pro Woche, sowie 90min Spiel inkl. Aufwärmen. Vier Stunden und dreißig Minuten Aufwand also pro Woche – ohne Anfahrt, Abfahrt, Vorbereitung, Nachbereitung oder Elternmanagement. Das macht eine reine Betreuungszeit für das Kind von 18 Stunden pro Monat. Umgerechnet also 16 Cent für eine Stunde Betreuung. Selbst bei 20 Kindern im Training und einer 100%igen Weitergabe der Beiträge an den Trainer, würde sich der Stundenlohn auf 3,20€ belaufen. Und nochmal: ohne den dazugehörigen Zeit- und Kostenaufwand (Spritkosten, Verschleiß, Material/Trainingskleidung?) zu berechnen. Ziemlich mau eigentlich. Aber das Ehrenamt entschädigt natürlich für alles.
WAS KOSTEN ALTERNATIVE ANGEBOTE? 

Übertragen wir die Zeit, welche die Kinder betreut werden, auf andere Bereiche, zeichnet sich schnell ein anderes Bild ab.
So wurde aus 900 Angeboten diese Analyse für den Klavierunterricht erstellt:

DURCH QUALIFIZIERUNG UND INHALTE ZUM NACHHALTIGEN ERFOLG

Entsprechend würden selbst 14 Kinder einer Mannschaft im Monat (!!!) gemeinsam weniger bezahlen, als eine Stunde Klavierunterricht kostet.

Selbst ein Happy-Meal bei McDonalds kostet mehr als das durchschnittliche Vereinstraining pro Monat – nämlich 3,99€.

Doch selbst wenn man im Sektor Fußball bleibt, tut sich eine Kluft auf. Viele private Fußballschulen fahren erfolgreiche und völlig ausgebuchte Angebote in ganz Deutschland. Einzeltraining (auch: Individualtraining), Kleingruppentraining, Fördertraining, Feriencamps. Alles hat dort seinen Preis, den eine Vielzahl der Elternschaft auch ohne mit der Wimper zu zucken bereit sind zu zahlen.
Diese unterschiedliche Auffassung ist nicht immer rational zu begründen. Dasselbe Angebot, mit demselben Trainer und demselben Umfang würde bei demselben Preis für einen Aufschrei im Heimatverein sorgen: “Das ist viel zu teuer!!”.

Der Nachhilfeunterricht mit unmotiviertem Lehrpersonal in einer heterogenen Gruppe darf dann aber gerne 15€ die Stunde kosten. 

Doch das mit dem Fußball ist ja schon lange so. Der hat noch nie was gekostet. Warum auch?

Jedoch hat sich im Fußball etwas gravierend verändert, die Erwartungshaltung der Eltern!
Schnell ist man unzufrieden, wenn die Spiele nicht gewonnen werden. Oder aber, wenn das Kind mal unzufrieden nach Hause geht. Eine Lizenz sollte der Trainer schon auch haben, am besten gepaart mit einer pädagogischen Ausbildung.

Viele Eltern scheinen unzufrieden mit dem Angebot in ihrem heimischen Verein, dass sie eben dazu bewegt, Zusatzangebote bei privaten Anbietern einzuholen. Die kosten dann zwar, jedoch erfüllt das durchgeführte Training den vermeintlich gestiegenen Qualitätsanspruch der Mamas und Papas.

DOCH WO MÖGLICH WÄRE DIESES GELD IM EIGENEN VEREIN BESSER AUFGEHOBEN

Mit einem Rechenbeispiel von 50€ pro Monat für den heimischen Club verdeutlichen sich mögliche Lösungen. 2,80€ wären das ungefähr pro Betreuungsstunde. Entsprechend deutlich günstiger als andere Angebote oder dem Happy-Meal.

Bei 12 Kindern im Training würden somit 600€ monatlich umgesetzt werden. Damit kann der Trainer für seinen Aufwand entschädigt werden – wenn er das möchte. Berufstätige und gut verdienende Väter verzichten ohnehin schon häufig auf solche Arrangements und lassen sich Spendenquittungen ausstellen. Eine Win-Win Situation für Verein und Trainer.

Doch jetzt finden wir im Breitensport Fußball einen Trainermangel. Mit dem zur Verfügung stehenden Geld könnte man den engagierten A-Jugendspieler bzw. Studenten aktivieren, welcher zwar gerne eine Mannschaft trainieren würde, im Moment aber auch seinen Lebensunterhalt bzw. seine Kosten zum Teil refinanziert sehen möchten. In unseren Augen auch zurecht.

Bedeutet konkret: 200€ für Trainer 1, 200€ für Trainer 2. Nicht nur als “Gehalt”, sondern auch als Finanzierung für etwaige Lizenzen, Hospitationen, Lehrgänge und Fortbildungen.

Übrig bleiben zusätzliche 200€ jeden Monat.

Diese können verwendet werden, um den sozial schwächer gestellten Mannschaftsmitgliedern Teile der Kosten oder den Gesamtbetrag zu erstatten. Oder dem neu im Sportverein angekommenen Kind aus einem der vielen Krisengebieten eine sportliche und soziale Heimat zu bieten – Kostenübernahme für Fußballschuhe, T-Shirts und Hose inklusive.

Darüber hinaus wird der Rest zur Seite gelegt, für einen gemeinsamen Ausflug am Saisonende.
So würde man nicht nur neues, junges und motiviertes Trainerpersonal an Land ziehen können, sondern dieses auch noch adäquat ausbilden.

Die Diskrepanz zwischen dem Anspruch vieler Eltern und der Umsetzbarkeit würde endlich wieder eine gewisse Annäherung erfahren.

LUST AUF EIN EIGENES KONZEPT UND VERANSTALTUNGEN AUF DER HEIMISCHEN ANLAGE?
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