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THOMAS TUCHELS WICHTIGSTES TALENTKRITERIUM

  • Das Talentkriterium “Widerstandsfähigkeit” ist mitentscheidend auf dem Weg zum Profi.
  • Dem Umfeld der Spieler kann hier eine einflussreiche Bedeutung zukommen.
  • Eine “Rage to Perform” muss bei Spielern geweckt werden.
Ein Talent ist eine Person, die sich noch in der Entwicklung zur individuellen Höchstleistung befindet und von der man begründbar annimmt, dass sie Spitzenleistungen in ihrer Domäne erreichen kann. (Nach Güllich et al., 2013)

Welche Faktoren lassen uns nun „begründbar“ annehmen, dass Spieler X ein Spitzenleister wird?

Diese Faktoren können entweder im Sportler selbst oder in seinem Umfeld liegen. Ein Talentkriterium, dem Experten in letzter Zeit viel Beachtung schenkten, ist die Widerstandsfähigkeit. Interessant hierbei: Die Wechselwirkung Person-Umwelt scheint eine große Rolle zu spielen. Im folgenden Blogbeitrag zeigen wir euch, wie sich die Sicht von PSG-Trainer Thomas Tuchel auf das Umfeld von Jugendmannschaften geändert hat. Im Interview bei Aspire4Sport erzählt er, was er aus der Zeit als Jugend- und Cheftrainer (Mainz 05, VfB Stuttgart und Borussia Dortmund) gelernt hat. Außerdem zeigen die Aussagen von Prof. Dr. Martin Lames in unserem SPIELTRIEB-Podcast, was die sportwissenschaftliche Forschung zum Thema ‚Talentkriterium Widerstandsfähigkeit‘ sagt.

ÜBER DEN "GOLDENEN KÄFIG" UND DAS TALENTKRITERIUM "SCHWIERIGKEITEN ÜBERWINDEN"

Thomas Tuchel spricht von der Bedeutung des Talentkriteriums „Schwierigkeiten zu überwinden“.

Wie soll das Umfeld im Nachwuchsleistungszentrum aussehen?
Die besten Leistungstests, perfekte Trainingsbedingungen und mehr Analyseverfahren. Oder?

Die Gefahr im modernen Nachwuchsleistungszentrum.

Die wissenschaftliche Sicht: Warum ist das Talentkriterium „Widerstandsfähigkeit“ relevant?

ZUSTANDEKOMMEN EINES „VERWÖHNKLIMAS“

Vereine wollen die Attraktivität der eigenen Marke wahren. Der modernste Komplex, die vermeintlich neuesten Methoden & bekannte Namen sollen die Anziehungskraft des eigenen Nachwuchsleistungszentrums sicherstellen. Fehlende Kritik und das Erzeugen einer Wohlfühl-Atmosphäre sollen den Verbleib sichern. „Wir dürfen ihnen nicht wie derzeit meist in den Nachwuchsleistungszentren alles abnehmen.“, forderte Horst Hrubesch in der FAZ. Eine „Erziehung zur Unselbstständigkeit“ ist nicht nur mit Blick auf Tuchels Aussagen kritisch zu beurteilen. Auch die Wahrscheinlichkeit Profi zu werden – Recherchen der ARD schätzen sie auf etwa 3% – machen die Problematik hierbei deutlich.

Doch nicht nur Vereine müssen sich hinterfragen. Spielerberater können ebenso ein Klima erzeugen, das für die Entwicklung der Jugendlichen hinderlich sein kann. Blauäugige Versprechungen, fehlende kritische Reflexion oder Vereinswechsel beim ersten kleinen Hindernis erzeugen keine Atmosphäre in der Durchsetzungsvermögen im überdurchschnittlichen Maße erforderlich ist. Das erhöht, laut Hrubesch, die Verantwortung seitens der Vereine:

„Ich sehe ein Problem, dass heute schon 14 Jahre alte Jungs einen Berater haben. Umso mehr müssen die Vereine Wert drauf legen, dass die Spieler zu normalen Menschen erzogen werden, dass sie selbständig sind, eigenverantwortlich handeln und nicht fremdbestimmt durch den Berater.“

DIE „RAGE TO PERFORM“

Die „Rage to Perform“, also die „Begierde Leistung zu bringen“, ist das, was auf sportlicher Seite bei den Spielern erzeugt werden muss. Ein Weg wie dies herbeigeführt werden kann, haben wir in einem früheren Blogbeitrag genauer erläutert. Grundstein dafür kann Spaß und Dynamik im Training oder Wettkampf sein. Der belgische Trainerausbilder van der Haegen beschreibt diesen Schritt: „Make your player love the game.“ Diese positive Attribution mit dem Fußball, sieht er als Grundlage für die weitere sportliche Entwicklung. So ein positiv aktivierendes Lernklima ist der nachhaltigste Weg bei Jugendspielern, den Wunsch sich zu verbessern, auszulösen. Im besten Fall entsteht nicht nur eine erhöhte Bindung zum Fußball – auch die Vereinsbindung kann so positiv beeinflusst werden. Die Lösung der Qualitätsproblematik im deutschen Nachwuchsfußball und ein probates Mittel gegen den Mitgliederschwund im Jugendfußball.

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