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SPIELERBERATER IM JUGENDFUSSBALL

  • Selektionsdruck, Entwicklungsphase und Position haben messbaren Einfluss auf den Relative Age Effect.
  • Weniger Talentierte aber relativ Ältere werden gefördert, talentierte aber relativ jüngere Spieler bleibt Förderung oft versagt (Matthäus-Effekt) - eine Verstärkung des RAE tritt auf.
  • Mannschaften, die auf schnellen Erfolg setzen sind oft stärker vom RAE betroffen.

Man erkennt sie recht schnell: Männer mit Zettel, Kugelschreiber und Handy in der Hand – am Spielfeldrand bei einem Jugendfußballspiel. Meistens ab der U15 bei höherklassigen Vereinen, mittlerweile sogar vermehrt im Kinderfußball.

Die neueste Reportage von Sport Inside ausgestrahlt im wdr (Beitrag) hat wieder einmal für einen Aufschrei bei vielen Beteiligten gesorgt. Es wurde dargelegt, wie früh die Talentejagd im Fußball beginnt. Dabei liegt der Fokus auf den Mechanismen der Nachwuchszentren diverser Bundesligavereine.

Doch nicht nur die großen Ausbildungszentren suchen sich ihre Renditeobjekte immer früher, auch die Spielerberaterbranche geht diesen Trend mit. “Machen schließlich alle” und “sonst hat man keine Chance” bekommt man – die handelnden Personen darauf angesprochen – zu hören.

WAS MACHEN SPIELERBERATER?
 

Die Begriffe Spielerberater und Spielervermittler werden teilweise synonym verwendet. Vor den 2000er Jahren ging es meist rein um Vertragsthemen:

“Als Spielervermittler oder „Fifa Player Agent“ wurden daher alle natürlichen Personen bezeichnet, die vom Fußball-Weltverband Fifa und den jeweiligen Landesverbänden nach dem alten Verfahren lizenziert wurden, regelmäßig und gegen Entgelt Spieler mit einem Verein zur Begründung eines Arbeitsverhältnisses beziehungsweise zwei Vereine zur Begründung eines Transfervertrages zusammen zu führen.”

Hochschule für Management / https://www.ist-hochschule.de/blog/spielerberater-ein-job-mit-zukunft/

Mittlerweile macht ein Spielerberater mehr. Er findet den passenden Arzt bei einer Verletzung, hat ein offenes Ohr für seine Schützlinge, macht zum Teil sogar individuelle Trainingseinheiten und unterstützt natürlich weiterhin bei Vertragsfragen zwischen Spieler und Verein.

Im undurchsichtigen Geschäft des Nachwuchsleistungsfußballs geben seriöse Berater eine Form von Sicherheit, die viele Vereine den Spielern und Eltern nicht geben können. Feedbackmechanismen – vor allem objektive – sind Mangelware und lassen die Familien oft in der Luft hängen. Ein Berater kann hier mit seiner neutraleren und dennoch expertisebehafteten Meinung als Konstante fungieren – die nötige Seriosität und Professionalität vorausgesetzt.

Spannende Beiträge zum Thema Spielerberater im Jugendfußball:

https://www.11freunde.de/artikel/wie-krass-die-jagd-nach-talenten-geworden-ist

https://www.handelsblatt.com/sport/fussball/jugendspieler-im-fussball-das-langfristinvestment/8556802.html

WIE SEHEN WIR BEI ADVANCE.FOOTBALL SPIELERBERATER?

 

Eine Schwarz-Weiß-Unterteilung macht wie so oft keinen Sinn. Wir kennen die Branche aus vielen eigenen Erfahrungen, aus zahlreichen Berichten von Eltern und Spielern und natürlich auch aus der Sicht der Berater selbst.

Ein guter Berater kann als Unterstützer und Ansprechpartner einen wertvollen Beitrag in der menschlichen wie auch sportlichen Entwicklung leisten.

“Die Eltern sind in diesen Situationen oft heillos überfordert. Das ist teilweise schon ein knallhartes Geschäft. Das nutzen die Berater natürlich aus“, erzählt Ernst Tanner (Nachwuchschef RB Salzburg) im Interview bei t-online (hier nachlesen)

Ab dem Alter der U15 sind Förderverträge für die Spieler möglich und auch nicht unüblich. Sie können als Kompensation gesehen werden, für die immensen Kosten die durch die Ausübung des Leistungssports entstehen. Hotelübernachtungen bei Turnierfahrten, Fahrdienste zum Training, Verdienstausfall durch kürzere Arbeitszeiten, Fahrtgeld/Zuschüsse für Freunde und Verwandte die mal eine Fahrt übernehmen, Trainingsausrüstung wie Schuhe, Schienbeinschoner etc. Das sind oftmals Vorleistungen die Eltern zu leisten haben, die im Fußballbreitensport nur einen Bruchteil dessen ausmachen würden. Ab diesem Alter können Berater eine unterstützende Funktion einnehmen, auch wenn die Entscheidungsgewalt final immer bei den Erziehungsberechtigten liegt. Kinder können das Ausmaß einer Entscheidung meist nicht vollumfänglich einschätzen, was auch in Ordnung ist.

Die Vereine bieten leider – wie bereits erwähnt – zu wenig Einblick in Entscheidungen und gehen spärlich mit Hilfestellungen für Eltern und Spieler um. Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Spieler/Eltern und Trainer/Verein sorgt für eine Wand, die sich nur schwer einreißen lässt.

In den Altersstufen bis zur U15, in denen Verträge zwischen Spieler und Verein noch keine Rolle spielen, ist es unserer Meinung nach nicht sinnvoll, Beraterleistungen in Anspruch zu nehmen. Ob ein durch den Berater ausgehandelter/organisierter Ausrüstervertrag mit einem Sportartikelhersteller wirklich förderlich ist für die Entwicklung des Kindes, sei infrage gestellt.

Das Verhältnis zwischen Trainer/Spieler/Eltern ist ebenfalls noch nicht so sehr von professioneller Distanz geprägt, wie es in älteren Jahrgangsstufen der Fall ist (Einzelfälle sind immer gesondert zu betrachten). Wenn Eltern öfter mal den aufgebauschten Bundesligazirkus in der Betrachtung und Bewertung von Angeboten, sportlichen Vorgängen etc. außen vor lassen würden, könnten sie häufiger selbst Entscheidungen zum Wohle ihres Kindes treffen. Wir sind der Meinung, dass niemand die Kids besser kennt als die eigenen Eltern. Sie sollten die Unterstützung von allen Seiten erhalten, um gute Entscheidungen für das eigenen Kind treffen zu können.

DAS PROBLEM MIT DEN INFORMATIONEN

Hier liegt jedoch der Hund begraben. An wen können sich Eltern wenden, um eine möglichst neutrale Einschätzung zur Situation des eigenen Kindes zu erhalten? 

Viele Eltern sind keine Fußballexperten, geschweige denn Jugendfußballexperten mit Erfahrung, sportwissenschaftlicher Expertisé und absolviertem Psychologiestudium/Pädagogikstudium. Die anderen Akteure sind alle ein Stück weit befangen. Vereine schauen auf ihren Vorteil in den Gesprächen, Berater möchten langfristig mit ihrer investierten Zeit Geld verdienen, der Trainer ist als Angestellter des Vereins in einem Spannungsfeld.

Neutrale Anlaufstellen, möglicherweise durch den DFB oder die Landesverbände umgesetzt, könnten den Eltern die nötigen Informationen zukommen lassen, damit diese ihre Entscheidungen selbstbestimmt und fachlich abgesichert treffen können.

Eine solche Einrichtung würden wir begrüßen!

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